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Kolumnistin Lydia Marinoff bloggt auf energy.at - Diesen Monat "Prüfungshölle"!

 


Endlich! Das Ende des ersten Semesters nähert sich und jetzt kann ich ja einen Blick darauf zurückwerfen. Aber Moment …  - noch ist es ja gar nicht so weit. Denn was erfreut in diesen Tagen jedes Studentenherz? Richtig! Die Prüfungen am Ende des Semesters! Und jeder Dritte hofft auf die 2. Termine, um seinen Arsch doch noch aus der Schlinge zu ziehen.

 

Ein erfolgreicher Start ins nächste Halbjahr ist angesagt! Vorsätze? Ja, sicher! Ich werde ab sofort besser mitlernen, mich mehr konzentrieren und mich früh genug auf die Prüfungen vorbereiten. Hm... Hatte ich diesen Vorsatz nicht auch schon letztes Jahr? Naja, aus meinem BWL Studium ist ja nicht viel geworden. Noch immer fragen sie mich: „ Sag, willst du wirklich weiter Japanologie studieren? Spinnst auch weiterhin rum?“ Gute Frage... Ja, ich denke, ich spinn´ mal schön weiter. Wenn ich mich bemühe, könnte sogar mehr als nur ein „Auffangnetz“ daraus werden.


Vor einem Jahr habe ich noch anders gedacht: Wieso verdammt studiere ich eigentlich BWL?? Was mach ich hier? Mathe ist scheiße und Volkswirtschaftslehre sein kleiner Bruder! Wieso hab ich mir den Mist eigentlich eingebrockt?
Es ist nun genau ein Jahr her, dass ich beschlossen habe, mein Studium zu wechseln. Und höre ich etwas herum, merke ich, wie viele junge Studenten in meine Fußstapfen treten.

 

Ein halbes Jahr hat gereicht, um mir die Folgen meiner Tat zu präsentieren: ein wahrer Griff ins Klo. Nächster Versuch! Und nun kann ich mit Stolz versichern - stecke ich auch gerade mitten im Prüfungsstress - dass ich bei meinem „Orchideenfach“ bleiben werde. Leicht ist es nicht, doch welches beschissene Studium ist das schon? Würde ich es mir leicht machen wollen, ginge ich wieder zum Billa Wurstaufschneiden, was ich übrigens während meiner Maturazeit auch gemacht habe. Ich will diesen Job gar nicht in den Dreck ziehen, er erfordert mehr Courage, als ich mir je hätte vorstellen können. Doch intellektuell anspruchsvoll ist etwas Anderes! Japanisch zum Beispiel! (Und - verdammt noch mal - diesen Text unter Druck zu tippen, auch!) Also wieso mach ich das alles? Wieso erleichtere ich mir mein Leben nicht und schmeiße alles hin?

Weil das Leben so nicht spielt! Andere Menschen haben diese Chance nicht bekommen. Andere Menschen leben in einer Welt, die wir uns nur schwer vorstellen können. Wir kämpfen für unsere eigene Zukunft. Für sie bedeutet kämpfen, den Kampf ums Überleben zu führen. Ich ergreife meine Chance und versuche etwas aus dieser Zeit zu machen, die mir - so zu sagen - „geschenkt“ wird. Und wenn ich fast verzweifle, es mir oft so vorkommt, dass mir dieses Studium alles abverlangt, erinnere ich mich daran, dass es Menschen gibt, die viel mehr leisten als ich es je tun werde.


Also: Rumsitzen ist nicht drin! Und anstatt mich über diese beschissene Prüfung aufzuregen, die ich gestern wohl in den Sand gesetzt habe, lerne ich für den zweiten Termin mit der Kraft der Überzeugung, es das nächste Mal besser zu machen. Denn das bleibt den anderen verwehrt: Es noch einmal zu versuchen.

 

 

Lydia Marinoff ist Studentin in Wien.
Die Meinung des monatlich erscheinenden Blogs spiegelt nicht zwingend die Meinung der Energy-Redaktion wider.
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